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  1. #11
    Creeper-Jäger Avatar von ErgoCanis
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    Auch wenn es ein Scherz ist, finde ich es schade, dass du keine weiteren Bilder gemalt hast. Ist die Lust denn schon verflogen?

    In meiner "Kritik" / Empfehlung beziehe mich primär auf die unten angegebenen englisches Quellen.

    1. Motivation
    An deinem Output sieht man schon dein erstes Problem: Keine Bilder. Eigentlich sollte hier mindestens jede Woche ein neues Bild auftauchen. Bist du noch wirklich am Zeichnen dran? Was willst du jetzt eigentlich erreichen? Wenn du noch kein Ziel hast, überlege dir eins, auf dieses du in den nächsten Wochen hinarbeiten willst. Das Erschaffen von Inhalten wird immer viel Kraft und Aufwand kosten, gerade wenn man immer nur Konsumiert hat. Wahrscheinlich wird deine Arbeit auch eine Zeitlang nicht unbedingt angemessen wertgeschätzt. Solche Momenten werden aber immer wieder auftauchen, nur darf man sich an dieser Stelle nicht entmutigen lassen. Viele geben an dieser Stelle auf, gerade bei Youtube sieht man das deutlich. Nach ein paar Videos ist die Luft raus. Deshalb ist es wichtig eine intrinsische Motivation für das Zeichnen zu finden. Du musst Gefallen an dem Entstehungsprozess finden, nicht nur an dem Ergebnis. Dadurch bist du auch viel motivierter und bleibst an dem Projekt dran. Meine Erfahrung ist, dass der Wunsch eine Lücke zu füllen (z.B. es gibt keinen Manga der eine gewisse Story erzählt, oder sie anders erzählt als ich das gerne hätte) der größte Motivationsfaktor überhaupt ist. Man will etwas ändern, weil man es selbst gerne hätte und wenn nicht für sich selbst, für wen dann?

    2. Üben, üben, üben ...
    Gut du hast dein Ziel, aber was nun? Jetzt beginnt die "Arbeit": Zeichnen und nicht wenig. Anfangs ist das Zeichnen eines kompletten Charakters extrem schwer und überwältigend, man kann gar nicht alles richtig machen. Wenn ich nicht einmal eine Säge bedienen kann, fange ich ja auch nicht gleich an einen Tisch zu schreinern. Also muss man sich auf einzelne Bereiche des Körpers konzentrieren: Arme, Beine, Köperhaltung, Gesicht, Augen usw. Nun wählt man sich einen Teilbereich aus, meist den Kopf (Hier sieht man die schnellsten Ergebnisse und kann sie am besten Anwenden). Du suchst dir nun ein Tutorial deiner Wahl und Zeichnest den Kopf einer Figur, egal ob m/w. Wichtig hierbei ist, dass du dich auf die wesentlichen Gesichtsmerkmale wie Augen, Nase, Mund und Ohren beschränkst. Etwa wie hier, nur ein wenig sorgfältiger:



    3. Iteratives Zeichnen
    Und das machst du nun mindestens 20-50 mal am Tag, eine Woche lang jeden Abend. Echt, wirklich? Ja, normalerweise zeichnet man seinen Kopf und den Rest des Charakters und beschwert sich, dass man es nicht wirklich hinbekommen hat. Man zeichnet trotzdem weiter, da kommt dann irgendwie was dabei raus, holt sich ein wenig Lob von Freunden/Forum ab und legt den Stift zur Seite. In der Woche darauf beginnt das gleiche Prozedere wie in der vorherigen Woche. Der Lerneffekt ist praktisch Null. Also wie löst man das Problem? Ja richtig gedacht: zeichnen. Nach dem 100. Kopf wird man definitiv besser sein. Ist beim Fahrrad fahren genauso, wenn man jedesmal für eine Woche aufgehört hätte, wenn man vom Rad gefallen ist, könnte ich wahrscheinlich heute noch nicht fahren. Der Grund dafür ist das Muskelgedächtnis ("Muscle Memory"), dabei prägt sich das Gehirn gewisse Abläufe ein und später kann man diese dann (fast) automatisch abrufen. Leider ist Zeichnen ein wenig komplizierter als Butterbrot schmieren und leider machen wir das auch nicht unbedingt jeden Tag. Das Gehirn hat also weitaus mehr Probleme die Vorgänge zu rekonstruieren, auch wenn wir diese erst vor einem Tag gemacht haben. Daher muss man sowohl oft als auch gleichbleibend üben, lieber jeden Tag, als alles an einem Wochenende durchpowern. Die Fortschritt kommen dann ganz von allein.

    4. Lernen durch Probieren
    Wiederholt man einen Vorgang nun oft (dabei sollte man nicht schludern), so führt es dazu, dass man automatisch schneller wird. Aber das ist nicht alles, bei dem zeichnen kann man noch eine ganze weitere Dinge lernen, die man erst gar nicht bedenkt. Dadurch, dass du den Kopf auf das wesentliche Reduziert erkennst du wie das Gesicht mit höher gesetzten Augen, mit einer großen Stirn und einer langen Nase wirkt. Diese kleinen subtilen Änderungen erlauben es dir ein Gespür dafür zu entwickeln, wie sich solche Merkmale auf die Wahrnehmung eines Menschen auswirken. Nur lernst du es durch die Experimente der viele verschiedenen Köpfe die du zeichnest. Zum einen kann man es sich über diesen Weg besser einprägen, zum anderen hilft es dir Fehler genauer zu bestimmen. Oftmals hat man ein Gefühl für die Sache "Ich weiß nicht genau warum, aber der Kopf wirkt komisch". Nach dem "Training" erkennst du dann vielleicht, dass es die Augenbrauen oder die Anordnung der Augen dafür verantwortlich waren.

    Für die meisten Dinge dieser Art findet man auch Anleitungen, diese sollte man auch wahrnehmen, sobald man die Grundlagen verinnerlicht hat. Sonst kann man nicht ermitteln was wirklich entscheidend war, warum man es "so und so" machen muss, damit es entsprechend wirkt. Dieses Wissen kann man dann auch Problemlos bei seinen eigenen Charakteren anwenden. Durch die Kombination von Experimentieren und Hilfestellungen erreicht man dann sein Ziel und wichtiger, man kann auch universal reproduzieren.

    5. Referenzen
    Nach 1000. Köpfen, 1000. Gesichtern, 1000, Körperhaltungen, 1000. Extremitäten und schließlich 1000. vollständigen Figuren hat man dann wahrscheinlich ein Stadium erreicht an dem man genug Grundwissen hat, um relativ schnell und gute Ergebnisse zu erzielen. Wenn man von einer Stunde Übung für 50 Zeichnungen pro Tag ausgeht (Anfangs dauert es womöglich länger) kann man dies schon in knapp 3-4 Monaten erreichen. Das mag für den einen oder anderen lange klingen, aber schon nach dem 100. Kopf (2-4 Tage) wird man schnelle Fortschritte sehen. Vielleicht reichen einem schon 200 Kopfe um auf ein für einen ausreichendes Niveau zu kommen, aber das muss jeder selbst herausfinden. Aber es ist Fakt, dass Jemand, der 100-350 Köpfe in der Woche zeichnet natürlich besser Köpfe zeichnen kann als wenn man nur 1-2 Köpfe in der Woche zeichnet.

    Nun werden Referenzen relevant. Weil jetzt schaut man auf die Bilder der Profis und kann wirklich erkennen was sie anders machen, da man sich über die Grundlagen keine Gedanken mehr machen muss. So muss man bei einem traurigen Gesicht nicht mehr bei Null anfangen, sondern kann direkt sagen: "Ok der Teil ist normal, aber bei den Augen hat er xyz abgeändert und mit der Stirnpartie erzeugt er ...". Vorher ging das nicht, man war von dem Gesamten Bild überfordert und konnte sich nicht die relevanten Informationen herausfiltern, um diese in seiner eigenen Technik zu verwenden. Dadurch entwickelt man übrigens auch seinen eigenen Stil. Man klaut praktisch alles zusammen was einem gefällt und passt es für sich an.




    Letztendlich ist kein Ziel zu hoch gegriffen, wenn man die notwendige Tugend und Motivation aufbringt. Ich persönlich würde mittlerweile keinen Manga mehr zeichnen wollen, ich fand die Idee eine Zeit lang interessant, aber letztendlich hatte sich das im Sand verlaufen. Da gibt es einfach viele andere Dinge, die ich viel lieber machen würde.

    Hoffe das hat dir ein wenig Geholfen. Über Feedback würde ich mich Freuen.



    Quellen:
    Joe Madureira "Art Advice"
    Draw with Jazza "Improve your Art Skills, the Smart Way!"
    Sycra "Iterative Drawing - The Fastest Way to Improve"
    Mark Crilley "How to Get Better at Drawing: 10 Things that Worked for Me"

  2. Mag ich Wolfskull, Kave231, Finntastisch, Doofenheinz mag diesen Beitrag
  3. #12
    Sonderbarer Gestörter Avatar von Doofenheinz
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    Zitat Zitat von ErgoCanis Beitrag anzeigen
    (...)
    Ein sehr guter Text! Daran kann man sich gut halten. Werde ich auch versuchen so umzusetzen.

    Warum keine Bilder mehr kommen? Nun, zum kleinen Teil ist die Luft draußen. Zum anderen hab ich seit Ende Juni kaum noch Zeit (Freundin). Und seit mitte September bin ich Berufsschule. Wobei in der Berufsschule tue ich normalerweise viel zeichnen. Aber nicht diesesmal --> zuviel Stress. Vorallem mit den ganzen LAP Vorbereitungskursen. (Hab nichtmal mehr Zeit zum lesen) Ich hab am Anfang der BS versucht zu zeichnen, da mir die Grundlegensten Dinge nicht gelingen wollten hab ich mich zu sehr aufgeregt.

    Ich werd es aber mal so probieren wie du meinst, mit so 10-20 Köpfe am Tag (Je nachdem was die Zeit zulässt.)
    Meine Motivation beziehe ich daraus, dass mir allerlei Kurzgeschichten durch den Kopf fliegen sowie durch meine faible für Epische Fantasy Bilder in welche man eine Geschichte hinein interpretieren kann.
    Mich reizt der Gedanke, Geschichten mit Bildern ausdrücken zu wollen schon seit Jahren.

    Doofi's Zeichenstube -> Feedback und Kritik gern gesehen


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